Am Montag den 19.01.2004 verspürte ich gegen Abend immer mal ein leichtes Ziehen im Bauch. Das war etwa vergleichbar mit leichten Mensschmerzen. Doch allzu viel dabei gedacht hab ich mir nicht. Das einzige, was mich stutzig machte war, dass dieses Ziehen in regelmäßigen Abständen von etwa 45 Minuten wiederkam.
Ratlos rief ich meine Mutter an um zu fragen, wie sich bei ihr die Geburt von mir und meinen Geschwistern angekündigt hat. Sie konnte mir nicht viel weiterhelfen und sagte nur "Mensch, das ist bei mir 25 Jahre her! Aber Wehen sind schon schmerzhaft. Das merkst du dann schon!"
So saß ich weiterhin ratlos da und die Abstände des Ziehens im Bauch wurden immer kürzer.
Gegen Mitternacht rief mich meine beste Freundin aus der Nachtwache an. Wir plauderten eine Weile und sie war überzeugt davon, dass ich Wehen hatte (nur ich nicht )
Vorsichtshalber packte ich trotzdem mein Waschzeug und Zahnbürste in die Kliniktasche und legte mich zum Schlafen aufs Sofa. Holger war von der Playstation nicht wegzukriegen, obwohl ich sagte, er solle noch jede Minute Schlaf ausnutzen.
Und so schlief ich ein.
Morgens um kurz vor sechs wurde ich wieder wach, weil ich mal auf die Toilette musste.
Auf der Toilette dachte ich, mich trifft der Schlag. Alles blutig. Mein Slip war voll mit Blut, es lief mir an den Beinen runter und ich fing an zu zittern. Plötzlich hatte ich eine wahnsinnige Angst, dass es etwas furchtbares passiert ist. Das man so stark blutet, wenn die Geburt einsetzt, davon hatte ich noch nie gehört. Im selben Moment machte es unter mir "PLATSCH". Was da in die Toilette gefallen ist, wollte ich gar nicht wissen. Ich hatte die schlimmsten Horrorgedanken. Mein Herz schlug mir bis zum Hals raus und ich hatte keine Stimme um Holger zu rufen. Als ich meine Stimme wiedergefunden hab, hab ich ihn gerufen und gebeten, sich das mal anzugucken. Auch er war völlig aufgelöst und sagte "Schnell, zieh dir was an. Soll ich den Krankenwagen rufen??" Aber ich wollte mit ihm mit dem Auto ins Krankenhaus fahren. So schnappten wir meine Tasche und regte mich noch tierisch auf, weil Holger den blöden Fotoapparat nicht gleich gefunden hat. Mir ging das alles viel zu langsam.
Im Auto spürte ich plötzlich einen Tritt in meinem Bauch. In dem Moment war ich so glücklich, das kann sich kein Mensch vorstellen.
Am KKH angekommen stand ich im Eingang wie bestellt und nicht abgeholt. Plötzlich viel mir ein, dass man ja nach einem Blasensprung nicht mehr umherlaufen soll. So blieb ich einfach wie angewurzelt stehen.
Als ein Pfleger an mir vorbeiging sagte ich "Entschuldigen sie, ich glaube ich bekomm mein Kind! Ich hab gehört, man soll nach einem Blasensprung nicht mehr umherlaufen!"
Er lächelte mich nur an und rannte dann los um mir einen Rollstuhl zu besorgen.
In dem Moment kam dann auch Holger rein, der in der Zeit das Auto geparkt hat und wir drei schoben los in Richtung Kreißsaal.
Dort untersuchte mich die Hebamme und meinte, meine Fruchtblase wäre noch ganz und der Muttermund 1-2 cm geöffnet. Das Bluten meinte sie, wäre verstärktes Zeichnen. Hmmm, das konnte ich ja irgendwie nicht glauben. Was soll das für ein Schleimpfropf gewesen sein????
Ich sollte dann erst mal mein Zimmer beziehen und frühstücken gehen. Frühstücken....nach diesem Schreck...nein, danke!!!
Bei jeder Bewegung kam wieder ein Schwall blutige Flüssigkeit aus mir raus und lief mir
am Bein runter. Ausgerüstet mit Netzhose und drei dicken Einlagen bezog ich dann mein Zimmer.
Um 11 Uhr wurde ich dann endlich am CTG angeschlossen, aber weit und breit keine Wehen in Sicht. Um 13.00 Uhr hatten die Hebammen Schichtwechsel und eine andere Hebamme untersuchte mich. Ich sollte einen Einlauf bekommen.
Plötzlich machte es wieder "PLATSCH" und eine großer Schwall Fruchtwasser verteilte sich auf dem Bett. Ab da wurden die Wehen immer stärker, aber auf dem CTG war immer noch nichts zu sehen.
Ich weiß nicht, ob ich so empfindlich bin, aber ich fand die Schmerzen da schon fast unerträglich und bat um eine PDA.
Gegen 15.00 Uhr bekam ich dann den Einlauf und etwa eine Stunde später die heißersehnte PDA.
Dann dauerte es auch nicht mehr lange und ich hatte das Gefühl, als müsste ich schon wieder auf Toilette. Ich fragte die Hebamme, ob das wohl Presswehen sein könnten und sie antwortete, wenn ich den Drang hätte zu pressen, dann sollte ich das tun.
Ich hab so gezittert, weil mir so unheimlich kalt war. Das Bett war irgendwie total nass oder kam mir das nur so vor? Keine Ahnung.
Bei der nächsten Presswehe drückte ich dann einfach mal so mit. Als die Hebamme das sah, kam sie zu mir, ich sollte mich auf die linke Seite drehen und meinen rechten Fuß in ihre Seite stemmen. Und so drückte ich, dass ich bald das Gefühl hatte, mein Kopf zerplatzt.
Nach der dritten Presswehe spürte ich, wie sich der Kopf meines Babys langsam rausschob. Ich sollte noch mal tief Luft holen und kräftig pressen.
Da war sie da, um 18.31 Uhr. Wunderschön. Meine Tochter. Ein Wunder. So ein zartes Persönchen. 50 cm groß, 2800g schwer und einen Kopfumfang von 30,5 cm.
Holger durfte noch die Nabelschnur durchschneiden und dann lag sie nun da, auf meinem Bauch, eingewickelt im Handtuch.

Ein atemberaubendes Gefühl.

 

 

 

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